
Von Okayama aus fuhren wir mit dem Shinkansen 45 Minuten nach Osaka, dort stiegen wir um und fuhren mit der U-Bahn 15 Minuten zur Namba Station, von dort aus ging es weiter mit dem Nankai Limited Express in 1 1/2 Stunden nach Gokurakubashi. Hier wechselten wir zur Standseilbahn und fuhren etwa 5 Minuten nach Koyasan hinauf. Von der Bergstation ging es dann weiter mit dem Bus ca. 10 Minuten eine kurvige Strasse entlang bis zu unserer Tempelunterkunft Kodai-in, wo wir übernachtet haben.






Zuerst bezogen wir unsere Zimmer, diesmal war Schlafen auf einem Futon auf Tatamimatten am Boden angesagt. Bad und Toilette waren zur Gemeinschaftsnutzung. Wir wurden sehr freundlich begrüsst und bekamen gleich Tee und Kekse zur Verkostung. Danach sahen wir uns in der Klosterherberge und im schönen Zen-Garten um. Es herrschte absolute Stille und eine beruhigende Atmosphäre, man fühlte sich einfach wohl.












Da wir noch etwas Zeit hatten bis zum Abendessen beschlossen wir Koyasan etwas näher zu betrachten. Wir spazierten durch den Ort, der doch tatsächlich fast nur aus Tempelherbergen bestand. Koyasan ist auf einer Höhe von ca. 800 m.ü.M. was sich durch angenehme Frische bemerkbar machte. Auch waren schon einige Bäume herbstlich gefärbt. Nach dem kurzen Rundgang gingen wir in unsere Herberge zurück und waren gespannt was uns zum Abendessen erwartete. Traditionell erhält man in den Tempelherbergen nur vegetarische Shojin ryori Kost.






Auf dem Boden sitzen für das Abendessen war schon ungewohnt und leider für uns sehr unbequem. Das Essen war überraschend gut, speziell, aber man konnte alles essen und es war gar nicht schlecht, vor allem wurde es so schön präsentiert und mit den vielen Tellerchen und Schüsselchen sah es verlockend aus.






Nach dem Essen konnte man noch in den Onsen baden gehen. Dann war man so richtig aufgewärmt fürs Bett. Dass die Toilette nicht im Zimmer war, hatte uns für eine Nacht nicht gestört. Nicht vergessen sollte man die Toilettenpantoffeln, die explizit nur für die Toilette sind. Geschlafen hatten wir ganz gut, die Futonbetten sind bequem, die Decken kuschelig und warm. Die Wände sind jedoch hauchdünn und den Schnarcher von nebenan hat man gut gehört.


Am Morgen um 6 konnte man am Morgengebet des Mönchs teilnehmen. Schade, dass es in unserer Herberge nur einen Mönch gab, der die Mantras vortrug. Ausserdem musste er die ganze Zeit husten, was halt irgendwie vom ganzen Procedere ablenkte und störte. Konnte er ja nichts dafür. Anschliessend gab es wieder ein vegetarisches Frühstück und danach machten wir uns auf den Weg zum berühmten Okunion Friedhof in Koyasan.

























Der Rundgang durch den alten Friedhof mit den verschiedenen Gräbern war sehr interessant. Zum Teil befinden sich hier über 1000-jährige Gräber. Die Laternenhalle mit den leuchtenden Laternen, die nie ausgehen beeindruckte uns sehr. Auch die eher neuen Firmengräber sind speziell und für uns ungewöhnlich. Die vielen Jizu Statuen mit den roten Lätzchen waren beeindruckend und bedrückend zugleich, da es sich dabei um Spenden der Eltern für früh verstorbene Kinder rsp. abgetriebene Kinder handelt. Unterwegs sahen wir noch Pilger und Mönche, die Mantras beteten, was sehr eindrücklich klang.






Zum Abschluss spazierten wir noch durch den schönen Ort, genehmigten uns in einem Café eine kleine Zwischenmahlzeit und machten uns dann auf den Weg ins japanische Hinterland, wo wir eine Nacht bei einer japanischen Familie verbringen durften.





Übernachtung bei einer japanischen Familie in Shimoichi

Von Koyasan fuhren wir wieder mit Bus, Standseilbahn und Zug zurück bis Hashimoto, dort nahmen wir einen local Zug nach Yoshinoguchi und mussten anschliessend nochmals umsteigen nach Shimoichiguchi. Insgesamt waren wir etwa 3 Stunden unterwegs in die tiefe Provinz Japans. In Yoshinoguchi hatten wir eine kleine Pause eingelegt und assen in einem Take-away eine Kleinigkeit.




Nach Ankunft in Shimoichiguchi wurden wir von den Gastfamilien abgeholt. Die Reisegruppe wurde aufgeteilt und wir durften mit einem etwa gleichalten Paar mit dem Auto fahren. Da hatten wir auch schon gleich was zu lachen, sie fahren einen VW, wir einen Japaner. Zuerst besuchten sie mit uns das Museum in der Stadt. Dann ging es zu ihnen nach Hause, ein hübsches Haus am Stadtrand. Die Verständigung war etwas kompliziert. Die Dame benutzte Google Translater, sie sprach immer etwas japanisch ins Handy und dies wurde uns dann auf deutsch übersetzt und umgekehrt. So konnten wir uns mit der Zeit über alles Mögliche unterhalten. Google sei Dank.






Wir wurden verwöhnt mit einem leckeren Sukiyaki, wurden mit Yukatas beschenkt und sie spielten ein Kinderkartenspiel mit uns und zeigten uns wie man Kalligraphien herstellt. Es war ein interessanter und kurzweiliger Abend. Ausserdem freuten sie sich darüber, dass wir aus der Schweiz sind. Ihr Traumland schlechthin.
Am späteren Abend wurden im Wohnzimmer unsere Nachtlager vorbereitet. Wieder Futonbetten auf den Tatamimatten mit kuschlig warmen Decken. Wir haben sehr gut geschlafen. Am nächsten Morgen bereiteten sie ein köstliches Frühstück für uns zu mit einem Kartoffelgratin, Salat, Würstchen, Spiegeleier, eine Spezialität mit kleinen Fischchen (habe ich nicht probiert, nicht so meins am Morgen) sogar einen guten Kaffee hatten sie.



Danach wurde es auch schon wieder Zeit aufzubrechen. Sie zeigten uns noch einen nahegelegenen Tempel und einen Schrein und dann fuhren sie uns zum Bahnhof, wo wir uns mit der Reisegruppe wieder zusammenfanden. Das war wirklich eine ganz tolle Erfahrung, die wir nicht missen möchten.







Unser Sohn war bei einer anderen Familie einquartiert, ihm hat der Aufenthalt auch gefallen, er wurde aber nicht so verwöhnt wie wir.







Es erfolgte eine sehr nette Verabschiedung von den Familien und für uns ging es im Anschluss weiter nach Nara.